Tanz der Meerjungfrau

frei nach Hans Christian Andersen und anderen Undine-Erzählungen:

Es war einmal die schönste unter den Meerjungfrauen, die sich in einen Prinzen über die Maßen verliebt hatte.
Und so wurde es ihr sehnlichster Wunsch, seine Liebe zu gewinnen. Sie war sogar bereit, mit ihrer Stimme auch ihre Unsterblichkeit zu opfern, nur um dem Ersehnten als sterbliche Menschenfrau gegenübertreten zu können.
Sie hörte nicht auf die Warnungen der weisen Frauen, die ihr den Übertritt in die irdische Welt ermöglichen konnten.
Diese sprachen zu ihr:
«Es wird unendlich weh tun. Jeden Tag wird es sein als ob ein Schwert durch dich hindurch ginge. Alle werden dich für das liebreizendste Menschenkind halten, das sie je gesehen haben! Du behältst auch deinen schwebenden Gang und keine Tänzerin wird sich so bezaubernd bewegen können, wie du!
Aber der Preis dafür wird hoch sein.
Jeder Schritt wird sein, als ob du auf scharfe Klingen treten müsstest. Und du wirst deine Stimme, das Wertvollste, das du hast, verlieren. Du wirst stumm sein und allein mit der Kraft deines Herzens die Liebe des Prinzen gewinnen müssen. Gelingt dir dies nicht, wirst du niemals zu deinen Schwestern am Grunde des Meeres zurückkehren können.»
Doch wir ahnen schon wie die Geschichte zuende geht.
Der Prinz erkennt nicht das liebende Herz der Meerjungfrau. Denn er vermag die Botschaft ihres Herzens nicht zu hören.
Und so verströmt sich die Seele der Jungfrau auf der Oberfläche des Meeres, dem lebenspendenden Urquell, von dem sie für immer Abschied genommen hatte.

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Tanz der Meerjungfrau

neu erzählt:
eine Legende zur Wegwarte

die christliche Legende…

Als Jesus noch nicht als der Messias bekannt war, kam er an einem  Haus  vorbei, aus  dem  ein  stolzes  Mädchen  herausschaute. Da er großen Durst hatte, bat er das Mädchen um Wasser. 
Sie  wies  ihn  aber  mit  spöttischen  Worten  von  der Tür, mit dem Hinweis, dass er ihr die Aussicht versperre. Sie warte nämlich auf ihren Bräutigam. Da  warf  Jesus  einen  leidlichen  Blick  zum  Himmel  und  ging weiter  zum  Nachbarhaus.  Als  kurze  Zeit  später  der  Bräutigam an das Haus des Mädchens kam, fand er das Mädchen nicht.
Vor der Tür stand lediglich eine schlanke, hartstänglige Blume, wie der Bräutigam noch keine gesehen hatte, die ihn traurig  mit  blauen  Blumenaugen  ansah. Dies  aber ist  das  stolze Mädchen  gewesen,  das  wegen  seiner  Hartherzigkeit  in  eine Pflanze  verwandelt  wurde und  nun  am  Weg  warten  muss, bis der Herrgott einst wiederkommt,
um sie zu erlösen.

 

…neu erzählt:

In den Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, da Jesus noch nicht als der Messias bekannt war, war er die Göttin selbst. 
Von der aber die Menschen schon seit geraumer Zeit nichts mehr wissen wollten. Sie hatten schlichtweg vergessen, was ihre Weisheit, Wahrhaftigkeit und Wärme einstmals für sie bedeutet hatte. Darum erinnerten sie sich auch nicht an die Botschaften der zwölf klugen Frauen, die sie immer begleiteten, der guten Feen, die als die zwölf Monate den Menschen im Jahreskreis gutes Leben verhießen.  
Hatte dereinst die Göttin an ihre Tür geklopft, vielleicht in Gestalt eines Bittenden, so war es ihnen selbstverständlich zu helfen wo sie nur konnten. Denn sie wussten, dass die Quelle ihrer eigenen Lebendigkeit und Freude versiegen würde, wenn nicht auch der Andere daraus trinkt. Aus dieser Quelle zu schöpfen, war der Urgrund der Liebe, die sie alle miteinander teilten.  
Auch später glaubten die Menschen einander zu lieben.  
Aber was sie für Liebe hielten machte sie unerreichbar für die Botschaften der Göttin. Und sie wurden hartherzig und einsam.
Voller Schmerz über die Unvernunft der Menschen verwandelte die Göttin all jene, die sie abwiesen in eine kleine blaue Blume. Deren abertausend Blütenaugen folgen nun vom Morgen bis zum Abend dem Lauf der Sonne. Und warten sehnsuchtsvoll auf die Wiederkehr der Königin, die Himmel und Erde gemacht hat.

 

 

 

 

 

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