Dreifaltigkeit

 

Also wirklich.
Nix Vater. Nix Sohn. Nix Heiliger Geist.

Stattdessen jede Menge zerschlagenes Porzellan. Und drei seltsam beschäftigte Frauen. Deren marode Behausung bedenklich unaufgeräumt erscheint. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind natürlich auswärts beschäftigt. Denn es gilt ja die großen Weltgeschicke zu lenken. Zurückgeblieben sind Mutter, Tochter und Großmutter. Die sich nun offensichtlich bemühen, den mickrigen Rest zu erledigen. Dabei scheint nicht immer alles glatt zu gehen. Ja, es lässt sich sogar eine gewisse Mutwilligkeit des Ungeschicks nicht leugnen. Gar noch von unverfrorener Nacktheit daselbst ganz ungeniert vorgeführt.  Man kann nicht ernstlich annehmen, dass hier das Abendmahl pünktlich auf den Tisch kommt. Es könnte also bis zum Jüngsten Gericht noch etwas dauern.

Aber noch ist ja nicht Allertage Abend.

So weiß wie Schnee.
So rot wie Blut.
So schwarz wie Ebenholz.

Einst wandelte auf Erden, in den Himmeln und im Reich der Tiefe die dreifaltige Göttin, die Mutter allen Lebens und des Todes. Denn sie war auch die Hüterin der sanften Gnade der Wiedergeburt.
So wie das Rad der Zeit sich unaufhörlich drehte, so begleitete sie die Menschen im Jahreskreis. Im Frühling erschien sie als holde Jungfrau im weißen Gewand, ließ als rote Frau das Land fruchtbar werden und Milch und Honig fließen, um schließlich in Schwarz als weise Alte den Lebensfaden aus ihrem Wissen zu spinnen, auf dass ihre Gaben mit jedem Neubeginn Früchte tragen mögen.
Die Große Mutter wurde als Hüterin des Lebens und des Todes verehrt. Ihre Kraft offenbarte sich in den alltäglichsten Verrichtungen genauso wie in den großen Mysterien.
Im europäischen Raum sind die drei Bethen – Ambeth, Wilbeth und Borbeth – als Ausdruck dieser göttlichen Dreifaltigkeit aus der alten Kultur überliefert. Seither gilt die Zahl „Drei“ als heilige Zahl und ist ein Synonym für Vollkommenheit.

Denn … Aller guten Dinge sind Drei.

Das Wort  Bethe  bedeutet (Mutter-) Erde und verweist auch auf die Herkunft des Wortes beten (die Göttin anrufen), das erst viel später im Wort betteln einen bitteren Beigeschmack erhielt. Wie überhaupt die Sprache ein untrüglicher Spiegel ist, für das Miteinander der Menschen. Dass sich die Lebensverhältnisse vor weinigen tausend Jahren dramatisch zu ändern begannen, lässt sich hier unverkennbar ablesen. Was zuvor Achtung und Wertschätzung ausdrückte, wurde nun oft in sein Gegenteil verkehrt.
So wird etwa aus dem vrouwen-dienest (der Anbetung der göttlichen Frauen) der Frondienst (eine Art Leibsteuer, die nun an die machtausübenden neuen Herr-scher zu entrichten war).

Die dreifaltige Göttin fand zuletzt noch ihren Nachklang in den Heiligen und Nothelferinnen Katharina, Barbara und Margaretha. Sie erschienen – wie einst die Göttin – zur Jahreswende in den Rauhnächten und wurden später zu Caspar, Baltasar und Melchor umgewandelt. Selbst in der  Darstellung der Heiligen drei Könige lässt sich noch versteckt die Farbsymbolik der Großen Mutter erkennen (unsere liebe vrouw, Frau Perchta, Holla), die in der WeihNacht (der Nacht der Mütter) das neue Leben als Lichtkind gebar und in seiner strahlenden Erscheinung der Welt präsentierte. Denn das war ja alljährlich der Übergang von der Zeit der Dunkelheit in die, des wiederkehrenden Lichtes.
Die christliche Maria, die Mutter Jesu, die ihr Kind in Beth-lehem gebar, wird schließlich als Reine Jungfrau die Erinnerung an die parthenogenetische Kraft ihrer Ahnin noch in sich tragen. Während sie als Magd des Herrn und der Göttlichkeit beraubt ihre Nachfolge im endgültig patriarchalisierten Zeitalter antreten wird.

 

 

 

 

vorherige Seite:

Wortschatz

 

 

 

 

Werbung